Selbstentdeckung: Der Schlüssel zur Entfaltung von Potenzial und Erfüllung

„Das Leben könnte so einfach sein, wenn man sich selbst nur gut kennt!“

Diese Nachricht erhielt ich von einer Coachee wenige Tage nach einer „Discovery Session“. Vorausgegangen war eine Nachricht, in der sie erklärte, was sie an ihrem Verhalten geändert hatte, basierend auf dem, was sie während unserer Sitzung entdeckt hatte. Für mich war es ein weiteres Beispiel dafür, wie magisch es sein kann, wenn ein sicherer Raum geschaffen wird, in dem Fragen offen beantwortet und Verbindungen hergestellt werden können, um tiefe Einsichten zu bewirken.

Auf die Dankbarkeit, die sie ausdrückte, antwortete ich: „Die Erkenntnisse hattest du selbst, ich habe nur den Rahmen und Raum gegeben.“ Ich habe in solchen Momenten oft das Gefühl, nichts getan zu haben, obwohl ich weiß, dass ich es habe. Den Raum und den Kontext für Entdeckungen zu schaffen, ist vielleicht das Mächtigste, was ein Coach oder Facilitator tun kann.

Aber ich habe lange gebraucht, um das zu erkennen, denn ich habe den starken Wunsch, weiterzugeben, was ich im Beruf und im Leben gelernt habe.

Der Lehrer und der Begleiter

Ich glaube, dass wir Modelle und Methoden brauchen, damit sich Menschen und Organisationen entwickeln können. Methoden sind Werkzeuge oder Praktiken, die uns helfen, etwas zu tun, wie ein Retrospektive-Meeting, ein Kanban-Prozess oder ein Design-Thinking-Workshop. Modelle sind die Theorien, die Linsen, durch die wir auf die Welt blicken können, um eine neue Perspektive und ein neues Verständnis zu gewinnen, die uns helfen, uns in der Welt zu orientieren. Einige Beispiele wären Agile-Prinzipien, Systems Thinking oder Spiral Dynamics.

In gewissem Sinne sind Modelle wie Landkarten und Methoden wie Navigationssysteme, die Schritt für Schritt zeigen, was als Nächstes zu tun ist. Wir brauchen beides, aber ich habe mich beim Lernen immer eher auf Landkarten gestützt.

Vielleicht liegt das daran, dass ich aus einer Lehrerfamilie komme. Ich war der Außenseiter. Der Einzige, der kein Pädagoge wurde. Zumindest dachte ich das. Mir ist jetzt klar geworden, dass ich während meiner gesamten Laufbahn das Lehren und das Helfen beim Lernen in alles, was ich getan habe, einbezogen habe. Ob es darum ging, Wissen an angehende Softwareentwickler weiterzugeben, Methoden für die Zusammenarbeit einzuführen oder Prinzipien der Selbstorganisation zu erklären – ich neigte immer zum klassischen Lehrparadigma der Wissensvermittlung, selbst wenn ich beabsichtigte, mehr zu inspirieren als zu unterweisen.

Aber ich habe gelernt, dass die wahre Magie nicht vom Lehren kommt; sie entsteht dadurch, dass man den Raum für Entdeckungen schafft. Die tiefgreifendsten Einsichten werden nicht gegeben; sie werden aufgedeckt.

Heute möchte ich die Kraft von zwei Werkzeugen hervorheben, die ich als besonders effektiv bei der Begleitung von „Discovery Sessions“ für Einzelpersonen und Teams empfinde. Werkzeuge, die ich weniger nutze, um Wissen weiterzugeben, sondern vielmehr, um etwas ans Licht zu bringen, das bereits vorhanden ist.

Jede dieser Methoden eröffnet unterschiedliche Aspekte der dynamischen Komplexität, die wir als Menschen sind, und ermöglicht es uns, uns selbst und andere besser zu verstehen. Sie helfen uns, unbewusste Muster zu durchbrechen, die uns zurückhalten, und uns das zu erlauben, was wir für unsere Entwicklung, die Entfaltung unseres Potenzials und ein erfülltes Leben brauchen.

Unsere Werte und Antriebe verstehen: Profile Dynamics

Das erste Werkzeug ist Profile Dynamics. Es basiert auf der jahrzehntelangen Forschung von Dr. Clare W. Graves zu menschlichen Wertesystemen. Es ist kein Persönlichkeitstest, der einen in eine Schublade steckt; vielmehr ist es eine tiefgründige Linse, die beleuchtet, was einen antreibt. Es enthüllt das „Warum“ hinter Motivationen, Handlungen, Kommunikationsstilen und der eigenen Sicht auf die Welt.

Hast Du schon einmal mit jemandem zusammengearbeitet, bei dem Du, egal wie sehr Du dich bemüht hast, einfach nicht auf einen grünen Zweig gekommen bist? Ihr wart beide klug, beide dem gleichen Ziel verpflichtet, aber jedes Gespräch war angespannt und ließ Dich manchmal zweifeln, ob Ihr überhaupt dieselbe Sprache sprecht.

Profile Dynamics hilft uns zu verstehen, dass dies oft kein logischer Konflikt ist, sondern ein Aufeinanderprallen von zugrundeliegenden Antrieben. Eine Person mag Stabilität und Ordnung über alles schätzen, während eine andere von einer Leidenschaft für Ergebnisse angetrieben wird und eine dritte Harmonie und Konsens als oberste Priorität hat.

Nichts davon ist „falsch“, aber ohne eine gemeinsame Sprache entsteht immense Reibung. Der persönliche Vorteil dieses Werkzeugs ist, dass es uns vom Urteilen zum Verstehen führt. Wir hören auf, Kollegen als „schwierig“ anzusehen, und beginnen zu sehen, warum wir die Welt unterschiedlich angehen.

Wie bei den meisten Lernerfahrungen beginnt es bei uns selbst. Zu sehen, was wir über andere Dinge stellen, deckt unsere unbewussten Entscheidungsprozesse auf. Dies explizit zu machen, gibt uns Wahlmöglichkeiten. Die Entdeckung unserer Antriebe hilft uns zu erkennen, bei welcher Art von Arbeit und in welchem Umfeld wir am besten gedeihen können. Wir erkennen, was uns Energie gibt und was uns diese Ressource raubt.

Im Profile-Dynamics-Prozess gibst Du deine individuellen Antworten auf 20 Fragen. Danach folgt ein Gespräch über Dein Profil mit einem zertifizierten Berater (mir zum Beispiel), und Du erhaltst einen detaillierten persönlichen Bericht. Wenn ein ganzes Team Profile erstellt hat, liefert eine kollektive Entdeckungssitzung mehr gegenseitiges Verständnis und Einsichten für eine bessere Zusammenarbeit.

Muster und Ziele aufdecken: Das Transformation Process Model (TPM)

Das zweite Werkzeug ist das Transformation Process Model (TPM) aus dem Impeccable Leadership Ansatz von Frits Wilmsen.

TPM ist ein Modell, weil es den Rahmen für einen kraftvollen, strukturierten Dialog setzt, der auf zwölf Fragen basiert. Diesen Rahmen zu nutzen, um einen sicheren Raum für Einzelpersonen und Teams zu schaffen, damit sie eine Entdeckungsreise antreten können, ist gleichbedeutend mit der Navigation auf der Landkarte und daher eine Methode.

Die Kraft des TPM liegt in seinem sanften, systematischen Prozess. Es springt nicht zu Lösungen. Stattdessen führt es ein Gespräch durch drei Phasen:

  1. Aspiration (Ziel/Bestreben): Was wollen wir wirklich erreichen? Was ist unsere höchste Hoffnung?
  2. Patterns (Muster): Was tun wir tendenziell unter Druck? Und, genauso wichtig, was neigen wir zu vermeiden?
  3. New Direction (Neue Richtung): Basierend auf diesen Einsichten, was ist für uns wesentlich zu lernen, und was ist jetzt für uns möglich?

Wenn es für individuelles Coaching oder persönliche Selbstreflexion genutzt wird, tritt man in einen Dialog mit sich selbst. Man entdeckt, wie das eigene unbewusste Verhalten und die verborgenen Überzeugungen den Fortschritt behindern, und wird befähigt, diese Muster bewusst zu durchbrechen. Man entdeckt auch, was man lernen muss, um seine höchsten Ziele zu erreichen.

Ein Team, das diesen Prozess gemeinsam durchläuft, gewinnt ein tieferes Verständnis füreinander und für die kollektiven Muster, die die Teamdynamik antreiben. Indem diese Muster ohne Urteil ans Licht gebracht werden, kann das Team gemeinsam einen neuen Weg nach vorn finden, der aus der kollektiven Intelligenz des Teams entsteht und nicht nur eine bessere Lösung hervorbinght, sondern auch Motivation und Engagement fördert. Gemeinsam haben die Teammitglieder und ihre Führungskraft definiert, was ihnen am wichtigsten ist und was ihre gemeinsame Vision für die Zukunft ist. Die Teammitglieder erkennen, welche Ressourcen sie benötigen und was gelernt werden muss, um voranzukommen. Auch hier hat das Team eine gemeinsame Sprache gefunden und durch die Offenheit des Dialogs ein tieferes Vertrauen zueinander gewonnen.

geschrieben von
Organization & Leadership Consulting & Facilitation | Owner Ministry Group | Founder Hacker School
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