Kennt ihr dieses Gefühl, wenn alles in eurem Team auf Kante genäht ist? Die Prozesse sind maximal „lean“, die Kalender sind zu 100 % gefüllt und jede Minute ist verplant. Auf dem Papier sieht das nach perfekter Effizienz aus. Doch tief im Inneren spürt ihr eine konstante Anspannung. Warum? Weil ihr wisst: Wenn jetzt nur eine Kleinigkeit schiefgeht – eine Krankmeldung, ein technischer Defekt oder eine plötzliche Marktveränderung –, dann bricht das ganze Kartenhaus zusammen.
Dieses Gefühl der Brüchigkeit ist kein Zufall. Es ist die direkte Folge eines Denkfehlers, den wir seit Jahrzehnten kultivieren. Wir haben gelernt, dass alles, was „zu viel“ ist, Verschwendung sei. Doch in einer Welt, die sich immer schneller dreht, wird genau dieses „Zu-viel“ zu eurer wichtigsten Lebensversicherung.
Die Falle der künstlichen Knappheit
Viel zu oft behandeln wir unsere Unternehmen wie komplizierte Maschinen, die man bis zum letzten Zahnrad optimieren kann. Aber die Realität, in der ihr euch bewegt, ist nicht kompliziert – sie ist komplex. Und komplexe, lebendige Systeme folgen anderen Regeln.
Schaut euch die Natur an: Sie ist alles andere als „lean“. Wir haben zwei Nieren und zwei Lungenflügel, obwohl wir mit jeweils einem Organ überleben könnten. Das ist keine Verschwendung der Evolution, sondern eine funktionelle Reserve. Die Natur optimiert nicht auf den günstigsten Ruhezustand, sondern auf das Überleben im Unvorhersehbaren.
In einer Creating Organisation übertragen wir dieses Prinzip auf eure Zusammenarbeit. Wir glauben, dass wahre Resilienz erst dort entsteht, wo wir den Mut haben, bewusste Freiräume und Reserven zu schaffen.
Drei Säulen für eure Zukunftsfähigkeit
Wirkliche Gestaltungslust braucht Luft zum Atmen. Wenn ihr eine Organisation erschaffen wollt, die nicht nur auf Sicht fährt, sondern die Zukunft aktiv gestaltet, braucht ihr Redundanz an drei entscheidenden Stellen:
- Kognitive Fülle statt einsamer Expertise: Echte Sicherheit entsteht nicht dadurch, dass einer alles weiß, sondern dass viele unterschiedlich denken. Wir nutzen kognitive Redundanz – also das bewusste Zusammenbringen verschiedener Denkstile –, um blinde Flecken zu eliminieren. Wenn ihr durch Vielfalt (wie wir sie etwa mit der ABC-App sichtbar machen) mehrere Perspektiven auf ein Problem habt, seid ihr geschützt, falls eine Sichtweise ins Leere läuft.
- Raum für Gestaltungslust (Slack): Innovation passiert nicht zwischen 14:15 Uhr und 14:30 Uhr im durchgetakteten Terminplan. Gestaltungslust braucht „Slack“ – bewusste Zeitreserven, die nicht durch das Tagesgeschäft besetzt sind. In einer Creating Organisation ist dieser Freiraum kein Luxus, sondern der Nährboden für alles Neue.
- Methodische Vielfalt: In komplexen Situationen ist es fahrlässig, alles auf eine Karte zu setzen. Resiliente Teams validieren (zum Beispiel im IGNITE-Prozess) oft mehrere Lösungswege parallel. Diese methodische Redundanz erlaubt es euch, flexibel zu reagieren und Wege zu verwerfen, ohne dass das große Ziel gefährdet ist.
Vom Mangel in die Gestaltung
Wahre Transformation bedeutet, Gegensätze zu balancieren. Ihr braucht die Struktur, um handlungsfähig zu bleiben, aber ihr braucht eben auch die Redundanz, um frei zu sein.
Die Creating Organisation ist ein Ort, an dem ihr aufhört, den letzten Euro und die letzte Sekunde aus dem System zu pressen. Stattdessen schafft ihr ein Umfeld der Fülle. Ein Umfeld, in dem Reserven nicht als „Fett“ abgewertet, sondern als Energiequellen für den Wandel geschätzt werden.
Wenn ihr den Mut aufbringt, die Effizienz-Falle zu verlassen, passiert etwas Wunderbares: Die Angst vor dem Unvorhersehbaren verschwindet. An ihre Stelle tritt die Gewissheit, dass ihr als Team stark genug seid, jeder Kurve des Lebens mit Neugier und Gestaltungslust zu begegnen.
Die Kraft eurer Organisation liegt nicht in dem, was ihr weggestrichen habt – sondern in dem, was ihr an Potenzial bereithaltet.