Es war kein schlechtes Meeting. Die Stimmung war entspannt, die Gesichter vertraut. Und dann sagte jemand etwas, das alle hätte aufwecken können: eine Beobachtung, eine unbequeme Frage. Es folgte aber nur eine kurze Pause, dann ein Themenwechsel, nicht feindselig, nicht laut. Es ging einfach weiter.
Ich kenne diesen Moment. Ich habe ihn selbst erlebt, und ich begegne ihm immer öfter. Teams, die gut miteinander können, die sich vertrauen, die füreinander einspringen und die sich dabei auch gegenseitig schützen. Manchmal vor den Fragen, die eigentlich gestellt werden müssten.
Das verstehe ich. Und trotzdem halte ich es für eine der größten Fallen, in die Organisationen tappen können. Nicht weil böse Absichten dahinterstecken, sondern weil Komfort und Stabilität sich so ähnlich anfühlen, bis sie es nicht mehr tun. Wer Veränderung anspricht, wird nicht angefeindet. Er wird überhört. Das hinterlässt keine Spuren, und genau deshalb merkt man so spät, was passiert ist.
Das Geschäftsmodell von gestern trägt nicht ewig
Ich würde an dieser Stelle gerne ein Positivbeispiel nennen, ein deutsches Unternehmen, das die Zeichen frühzeitig erkannt und sein Geschäftsmodell rechtzeitig neu gedacht hat. Die ehrliche Antwort: Es fällt mir gerade schwer, eines zu finden.
Was mich dabei beschäftigt: Viele der Marktveränderungen und der damit einhergehenden Abwärtsentwicklungen waren absehbar. Die Automobilindustrie beispielsweise wusste seit Jahren, wohin die Reise geht und hat trotzdem am Bestehenden festgehalten, solange es irgendwie ging. Jetzt folgen Massenentlassungen.
Was Creating Organisations anders machen
Es gibt Organisationen, die sich früh fragen, ob das eigene Geschäftsmodell noch trägt, bevor sich die Frage von außen aufdrängt. Wir nennen sie Creating Organisations. Sie fragen nicht, ob etwas im Aufgabenbereich liegt. Sie fragen, wer Lust hat, es anzupacken. Sie verstehen die Energie und das Wissen ihrer Menschen nicht als nettes Beiwerk, sondern als das Beweglichste, was sie haben. Das ist kein angenehmer Weg. Man geht in Konflikte rein, stellt sich Fragen, die wehtun, und muss immer wieder hinsehen, auch wenn man lieber wegschauen würde. Aber es ist der einzige Weg, der trägt, wenn sich die Welt schneller verändert, als jede Routine es aushält.
Wenn Menschen über ihre Zukunft mitbestimmen dürfen
Wie kommt man dorthin? Was ich erlebt habe: Es beginnt nicht mit einer neuen Strategie, die von oben verkündet wird. Es beginnt damit, die Menschen im Unternehmen wirklich einzubeziehen, in die echte Lage, in die Frage, was gerade auf dem Spiel steht, und in die Suche nach dem, was als nächstes kommen könnte. Es geht darum, gemeinsam weiter zu denken.
Was dann passiert, überrascht mich jedes Mal. Menschen, die ihre eigene Zukunft mitgestalten dürfen, kommen auf Ideen, von denen niemand wusste, dass sie existieren. Sie stellen Fragen, die vorher niemand laut gestellt hat. Und dann passiert Magie. Die Komfortzone verliert ihren Reiz, weil draußen etwas Greifbares wartet. Kein bedrohliches Neuland, sondern eines, das sich anfühlt wie eine echte Möglichkeit. Etwas, das sie selbst mit erfunden haben. Keine Angst vor dem Verlust, sondern Lust auf das, was kommt.